Für viele Raubfischangler gibt es einen Moment, in dem alles zusammenkommt: die Landung des Fisches. Du hast den Biss gespürt, den Drill gemeistert und dann liegt er da: ein Hecht voller Kraft, Zähne und Charakter. Genau in diesem Moment kommt der Kiemengriff ins Spiel. Nicht als Trick, sondern als Fähigkeit, bei der es um Kontrolle, Sicherheit und Respekt vor dem Fisch geht.
In diesem Blog lernst du nicht nur, wie du den Kiemengriff ausführst, sondern vor allem wann, warum und was du besser nicht machst. Genau darin liegt der Unterschied zwischen bloßem Nachmachen und wirklich gutem Angeln.
Was ist der Kiemengriff eigentlich?
Der Kiemengriff ist eine Methode, um einen Hecht sicher über die Kiemenöffnung zu kontrollieren, damit du ihn vorsichtig abhaken und eventuell kurz anheben kannst. Das Ziel ist einfach: maximale Kontrolle bei minimalem Schaden.
Aber täusche dich nicht: Es ist keine Standardhandlung. Es ist eine Technik, die du bewusst einsetzt, abhängig von der Situation.

Wann verwendest du den Kiemengriff und wann nicht?
Ein häufiger Fehler ist, dass Angler den Kiemengriff immer anwenden wollen. Das ist nicht nötig und manchmal sogar unklug.
Verwenden, wenn:
- der Hecht groß genug für einen stabilen Griff ist
- du gut siehst, wo die Haken sitzen
- du ausreichend Kontrolle über den Fisch hast
Nicht verwenden, wenn:
- der Haken tief oder ungünstig sitzt
- der Fisch klein und unruhig ist
- du an deinem Griff zweifelst
In diesen Fällen ist ein Kescher oder ein Nackengriff oft die bessere Wahl.
Schritt für Schritt: So führst du den Kiemengriff korrekt aus
1. Erst schauen, dann handeln
Bevor du irgendetwas machst: Kontrolliere, wo die Haken sitzen. So verhinderst du, dass deine Hand mit Drillingen in Kontakt kommt, ein Klassiker unter Anfängerfehlern.
2. Vorsichtig unter den Kiemendeckel gehen
Schiebe deine Finger nur ein kleines Stück unter den Kiemendeckel. Tiefer ist nicht besser, ganz im Gegenteil: Das erhöht das Risiko, die Kiemenbögen zu beschädigen.
3. Nach vorne bewegen, nicht nach innen
Gleite mit den Fingern in Richtung Maulöffnung. Du folgst sozusagen der Innenseite der Kieme, ohne die empfindlichen Strukturen zu berühren.

4. Einen festen, aber kontrollierten Griff machen
Lege deinen Daumen unter das Kinn und fixiere den Fisch leicht. Keine rohe Kraft: Der Griff kommt durch die richtige Position, nicht durch Quetschen.
5. Immer mit der anderen Hand unterstützen
Hebe den Hecht niemals nur am Kiemengriff an. Unterstütze den Körper immer, besonders bei größeren Fischen. Das verhindert Schäden an Kiefer und Kiemenstruktur.

Die größten Fehler und wie du sie vermeidest
Selbst erfahrene Angler machen Fehler. Das sind die häufigsten:
Zu tief in die Kieme greifen
→ Kann die Kiemenbögen beschädigen und den Fisch schwer verletzen.
Keine Unterstützung geben
→ Führt zu Überlastung des Kiefers.
Zu hektisch handeln
→ Erhöht das Verletzungsrisiko für dich und den Fisch.
Blind auf Handschuhe vertrauen
→ Weniger Gefühl bedeutet weniger Kontrolle.
Der rote Faden? Ruhe und Präzision gewinnen immer gegen Geschwindigkeit.
Großer vs. kleiner Hecht: ein großer Unterschied
Auffällig ist, dass ein großer Hecht oft leichter zu handhaben ist als ein kleiner.
- Großer Hecht: mehr Platz für deine Hand, oft ruhiger
- Kleiner Hecht: weniger Griff, mehr unerwartete Bewegungen
Bei kleineren Exemplaren ist also noch mehr Vorsicht nötig, und manchmal ist eine andere Landemethode einfach besser.
Sicherheit: für dich und den Hecht
Der Kiemengriff hat zwei Seiten. Richtig ausgeführt ist er eine fischschonende Technik. Falsch ausgeführt kann er Schaden verursachen.
Für den Fisch:
- Berühre die Kiemenbögen nicht
- Begrenze die Zeit außerhalb des Wassers
- Kontrolliere beim Zurücksetzen, ob sich die Kiemen gut bewegen
Für dich:
- Achte auf Drillinge
- Rechne immer mit einer plötzlichen Bewegung
- Arbeite ruhig und kontrolliert
Ja, ein Kratzer oder Schnitt gehört manchmal dazu, aber das bedeutet nicht, dass du leichtsinnig sein solltest.
Ein anderer Blick: weniger heben, mehr im Wasser lassen
Immer mehr Angler entscheiden sich dafür, Hechte so viel wie möglich im Wasser abzuhaken. Das ist oft die sicherste Option:
- Der Fisch wird vom Wasser gestützt
- weniger Stress und Schäden
- mehr Kontrolle bei unerwarteten Bewegungen
Der Kiemengriff bleibt nützlich, muss aber nicht immer der Endpunkt sein.
Zum Schluss: Können statt Angeberei
Der Kiemengriff ist kein Beweis dafür, wie hart du bist, sondern dafür, wie sorgfältig du mit deinem Fang umgehst. Den Unterschied sieht man nicht nur in deiner Technik, sondern auch daran, wie schnell und sauber du einen Fisch wieder schwimmen lässt.
Übung hilft, aber Bewusstsein macht den Unterschied.
Wenn du das nächste Mal einen Hecht landest: Nimm dir diese eine Sekunde extra. Schau, denke und handle, genau in dieser Reihenfolge.